8. Juni 2026

davon ein buch zu schreiben

Heutzutage schreiben wir unsere Texte natürlich nicht mehr mit Feder und Tintenfass. Aber manchmal fühlt es sich genau so an – besonders, wenn ich darüber nachdenke, wie die Idee zu meinem Buch überhaupt entstanden ist.

Ich arbeite gerade an einem Werk mit dem Titel „Tagebuch eines Grenzschreibers – Geschichten aus der Region zwischen dem Meißner, der Werra und dem Eichsfeld“. Am Anfang stand eigentlich nur der Plan, eine Sammlung alter Sagen und Märchen aus unserer Heimat zusammenzutragen, ergänzt durch die eine oder andere wahre Begebenheit. Doch eine innere Stimme sagte mir: „Du kannst nicht einfach nur die x-te reine Abhandlung des regionalen Klatsch und Tratsch herausbringen. Da geht noch mehr!“

Und so erweckte ich Severin Markwart zum Leben. Severin ist ein mittelalterlicher Grenzschreiber und Protokollist, der wegen seines Unglaubens und seines Grolls gegen höhere Mächte dazu verdammt ist, auf ewig mit Feder und Tintenfass alles festzuhalten. Mal ist er einfach nur stiller Beobachter, mal bekommt er die Ereignisse erzählt, und in einigen Geschichten – wie denen um unsere gute alte Frau Holle – mischt er sogar selbst kräftig mit.

Severin erzählt aus seiner ganz eigenen Perspektive. In der damaligen Bürokratie musste alles exakt vermessen und im Lot sein; was man sich nicht erklären konnte, durfte es eigentlich gar nicht geben. Das gibt Severin als Erzähler wunderbare Freiheiten: Da ein jahrhundertelanges Gedächtnis nicht immer perfekt funktioniert, Aufzeichnungen vergilben oder auch mal ein Fass Tinte ausläuft, kann er Dinge nach Belieben hinzufügen oder weglassen. Das ist ein großartiger Plot, um die alten Sagen auf eine völlig neue Ebene zu heben und gleichzeitig reale historische Elemente – wie die einstige Grenze, verschwundene Orte und verfallene Burgen – in diese fantastische Welt einzubauen. Am Ende wurde das Ganze für mich zu einer faszinierenden Reise durch die Zeit.

Wenn man ein Buch schreibt, kreisen die Gedanken anfangs um ganz praktische Fragen: Reicht der Stoff? Wie viele Seiten werden es? An die Veröffentlichung denkt man da noch gar nicht. Doch irgendwann kommt der Moment, an dem genau diese Frage im Raum steht.

Soll ich das Manuskript an klassische Verlage schicken? Für viele Verlage zählen heute leider fast nur noch die nackten Umsatzzahlen. Bei einer regionalen Publikation für ein Einzugsgebiet von vielleicht 50.000 oder 60.000 Einwohnern winken die meisten wahrscheinlich schnell ab – schade, aber die Realität.

Glücklicherweise wusste ich noch von Lulu. Die Plattform wurde von Bob Young gegründet, dem Mitbegründer von Red Hat Linux. Das Schöne hierbei ist: Es gibt keinen Verlag, der einem ins Handwerk pfuscht – solange man sich an die Regeln hält, ist man absolut frei.

Diese Freiheit bedeutet natürlich auch, dass man sich um das Lektorat, den Buchsatz, die Illustrationen und das Cover komplett selbst kümmern muss. Wenn man das noch nie gemacht hat, ist die Lernkurve extrem steil, aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Auch das Thema KI macht die Sache im Hintergrund nicht unbedingt leichter. Es ist wichtig, sich bei historischen Fakten nicht blind auf eine KI zu verlassen, sondern selbst gründlich nachzublättern und zu recherchieren, ob das Geschriebene in den zeitlichen Rahmen passt.

Der Vorteil, den solche Print-on-Demand-Anbieter bereithalten, ist jedenfalls enorm. Es wird kein einziges Buch auf Verdacht gedruckt. Erst wenn jemand eine Bestellung aufgibt, geht das Buch in die Druckschleife und wird quasi handwarm an den glücklichen Leser geliefert. Man muss dafür nicht einmal eine eigene Verkaufsplattform betreiben, sondern kann alles einfach über den Shop des Anbieters laufen lassen. Sogar eine eigene ISBN-Nummer lässt sich einrichten, wodurch das Buch für alle Verkaufsstellen – inklusive der ganz großen Plattformen wie Amazon – verfügbar wird.

Veröffentlichen im Selbstverlag bedeutet unterm Strich vor allem eins: jede Menge Herzblut und Arbeit.

Das Lektorat für mein Buch ist inzwischen weitestgehend abgeschlossen. Als Nächstes werde ich mein Werk noch einmal selbst ganz kritisch lesen. Das wird der finale Check, ob alles genau so rüberkommt, wie ich es mir vorgestellt habe, ob sich noch Fehler eingeschlichen haben oder der Plot irgendwo eine zu schnelle Abkürzung nimmt. Danach steht der Text.

Was mir noch fehlt, sind die Illustrationen. Da mit leerer Kasse kein Profi-Zeichner drin ist, werde ich mein Glück mit einer KI versuchen – was sicher eine spannende Herausforderung wird, bei der man auch mal Geduld braucht, bis das Bild zum Text passt. Danach geht es an den Buchsatz: Seite für Seite muss im Layoutprogramm überprüft werden. Da gilt es, typografische Fehler wie „Hurenkinder“ und „Schusterjungen“ zu vermeiden und Gutenbergs Fluch zu bezwingen. Ganz so wild, wie diese Fachbegriffe klingen, ist es zwar nicht, aber diese Detailarbeit sorgt am Ende dafür, dass sich das Ergebnis auch wie ein echtes, hochwertiges Buch anfühlt. Zum Schluss kommt dann noch das Cover – denn ein gutes Cover öffnet die Tür zum Leser.

Wenn also jemand sagt, er habe ein Buch geschrieben, und meint damit nur den reinen Text, dann ist das erst die halbe Miete. Die ganze Nacharbeit frisst mindestens genauso viel Zeit wie das Schreiben selbst. Aber es lohnt sich!

Mein Plan steht fest: Im Spätsommer oder frühen Herbst soll das Buch auf Lulu startklar sein – pünktlich vor dem Weihnachtsgeschäft. Und wer weiß, vielleicht liegt die eine oder andere Geschichte vom Grenzschreiber am Ende bei jemandem unterm Weihnachtsbaum.